Nachhaltigkeit im Fokus: Wie umweltfreundlich ist Leder wirklich?
Ein Blick hinter die Kulissen von Gerbung, Herkunft und Handwerk
Leder steht oft im Kreuzfeuer der Kritik: Tierisches Produkt, Gerbung, Chemie – darf man das heute noch guten Gewissens kaufen?
Die Antwort lautet: Es kommt darauf an.
In meiner Werkstatt bei Lilyversell arbeite ich bewusst mit ausgewählten Ledern – nicht nur wegen der Haptik, sondern auch, weil es nachhaltige Wege gibt, mit dem Material umzugehen. Hier zeige ich, welche Umweltaspekte bei Leder eine Rolle spielen – und worauf ich persönlich achte.
🌿 Pflanzlich gegerbtes Leder – was bedeutet das?
Die sogenannte vegetabile Gerbung basiert auf pflanzlichen Gerbstoffen, z. B. aus Rinde, Blättern oder Früchten.
Sie ist das älteste Gerbverfahren der Welt – und deutlich umweltfreundlicher als die weitverbreitete Chromgerbung.
Vorteile:
- keine Schwermetalle
- bessere biologische Abbaubarkeit
- hautverträglich und geruchsneutral
Nachteile:
- längere Produktionszeit
- nicht ganz so formstabil bei starker Nässe
- eher natürliche Farbgebung
In meiner Werkstatt verwende ich vor allem vegetabil gegerbtes Rindsleder – bewusst regional bezogen, um unnötige Transportwege zu vermeiden.
🐄 Nebenprodukt statt Hauptprodukt: Leder aus der Lebensmittelindustrie
Ein häufiges Missverständnis: Tiere würden extra für Lederprodukte gezüchtet oder getötet – das stimmt in Mitteleuropa nicht.
Leder ist ein Nebenprodukt der Fleisch- und Milchindustrie. Wenn es nicht weiterverarbeitet wird, landet es als Abfall.
Das bedeutet:
Die bewusste Nutzung hochwertiger Häute verwertet vorhandene Ressourcen – statt neue zu schaffen. Nachhaltigkeit beginnt hier mit Wertschätzung und Vermeidung von Verschwendung.
🧭 Regionale Gerbereien – kurze Wege, transparente Prozesse
Viele Lederarten, die ich verwende, stammen aus kleinen oder mittelständischen Gerbereien in Europa, z. B. Deutschland oder Italien.
Kurze Wege, weniger CO₂-Ausstoß, transparente Kommunikation – das ist mir wichtig.
Einige Anbieter, mit denen ich arbeite, geben sogar komplette Rückverfolgbarkeit der Herkunft – von der Tierart bis zur Gerbung.
Für dich als Kund:in heißt das: Du bekommst nicht nur ein schönes, sondern auch ein verantwortungsvoll gefertigtes Produkt.
🧵 Handwerk statt Massenware – warum das einen Unterschied macht
Die meisten industriellen Lederwaren entstehen in Billigproduktion mit minderwertigem Leder, hohem Wasserverbrauch und problematischen Arbeitsbedingungen.
Ein handgefertigtes Halsband aus langlebigem Leder ist das Gegenteil:
- hergestellt in kleinen Stückzahlen
- mit Sattlernaht genäht statt geklebt
- ohne Überproduktion
- mit Fokus auf Haltbarkeit, nicht Trend
Ein Lederhalsband von Lilyversell begleitet dich oft jahrelang – und spart damit Ressourcen gegenüber fünf Wegwerfprodukten.
✨ Fazit: Leder kann nachhaltig sein – wenn man bewusst wählt
Nicht jedes Leder ist automatisch umweltfreundlich – aber viele Vorurteile basieren auf Einzelfällen oder industrieller Billigproduktion.
Vegetabil gegerbtes, regional bezogenes Leder aus verantwortungsvollen Quellen ist ein wertvolles, langlebiges Material – besonders, wenn es in traditionellem Handwerk verarbeitet wird.







